concerto april/mai 1998:
es beginnt mit – stille. un dieses stille nichts breitet sich aus, beherrscht den imaginaeren raum, unterbrochen von vereinzelten, punktuellen klang-einwuerfen, als wollten diese nur die kontur dieses raums hoerbar machen. loose-musiker bzrkhard stangl monologisiert in seinem juengsten, programmatisch-schlicht betitelten cd-werk, mit dem der 37jaehrige trotz intensivierter kompositorischer taetigkeit sich selbst als improvisator treu bleibt, in extremer notenknappheit, in ausgesparten, pausendurchstzten klangsatzandeutungen an piano und diversen gitarren vor sich hin. in toenen und geraeuschen, denen gerade in ihrer bewussten, oekonomischen setzung jeweils 'ereignischarkter' zukommt, die sich nur selten zu gesten, zu zusammenhaengenden strukturen verbinden, und die durch das sie umgebende, das sie einhuellende schweigen meditative gelassenheit wie wachsamkeit atmen. besitzt diese art akustisch belebter stille schon seit vinko globokars 1969 gegruendetem new phonic art ensemble historische vorlaeufer, so laesst sich in den wiederholt interpolierten und im 20minuetigen dritten stueck gipfelnden elektrakustischen gegenparts eine- wenn auch wackeliche – assoziationsbruecke zu den hermetischen soundwaellen von christian fennesz‘ 'hotel paral.le'l schlagen. bordunartige, langgezogene klang-bahnen, die zuweilen nach physik-stunde klingen, die freilich in ihren mikrotonalen reibungen und schichtungen, mitunter kontrapunktiert von akustischen trouvaillen, schlichtweg faszinieren. und ueber allem, wie auch dem letzten stueck, das in der insistierenden repetition seiner sproeden, fragilen akustischen gitarrenstruktur eine enigmatische aura der ratlosigkeit, verlorenheit verbreitet, liegt wieder diese stimmung entrueckter, kontemplativer zeitlosigkeit, als wuerde die musik in ihrer geschehensarmut die erlebniszeit verlangsamen oder die wahrnehmung schaerfen. keine frage, burkhard stangls musik zwingt zum zuhoeren. wohl auch deshalb, weil sie den hoerer stets und unweigerlich auf sich selbst zurueckwirft.


falter 21/1998:
auf seiner solo-cd 'récital' entwickelt der gitarrist burkhard stangl in 'partitur' aus dem nichts so etwas wie belebte stille, klimpert einzelne klangfetzen und laesst diese vor sich hin wirken. ganz anders bei 'teint', wo er – in real time aufgenommen – 'wie ein bombenentschaerfer' gleichzeitig an drei e-gitarren, einem klavier, e-bows, diversen pedalen und monitoren hantiert, alles sich gegenseitig beeinflussen laesst und so eine schroffe akustische schneise in den raum schlaegt.


jazzlive, 12/98:
gitarristen hat das land, und zwar im reichhaltigen masse. und auch noch von ausserordentlichem talent. da exisiert hierzulande fast schon eine gewisse tradition in der zeitgenoessischen musik. eine der radikalsten und querstrebendsten ist zweifelsohne burkhard stangl. das bewiess er bereits in franz koglmanns pipetett und monoblue quartett, im von ihm mitbegruendeten ensemble ton.art oder sozusagen als leader des international besetzten quintetts qui.t, mit dem er sein konzept der comprovisations, ein gelungenes ineinandergreifen von improvisation und komposition, verwirklichte. aus sein erstes dokumentiertes einmannprogramm basiert auf diesem prinzip. strukturierungen hinsichtlich der zeitebene und der klangkoloristik geben den stuecken quasi den teint. um diesen vollends zur geltung zu bringen, fuehlt, denkt, handelt stangl mit klaengen. zu diesem behufe, aber nicht nur, bedient er sich uneingeschraenkter freiheiten. er demonstriert dabei gekonnten umgang mit reduktion, aussparung und der intensitaet der stille. sein klangkontinuum hat sich gleichermassen aus den spielhaltungen des avanciertem jazz wie der neuen musik herausgebildet. stangl deklariert sich in seinem monolog als ein hoergewohnheiten und erwartungshaltungen eine 'breitsaite' erteilender, ungemein sensibler musiker. zudem als musiker mit einer deutlich ausgepraegten eigengesetzlicher aesthetik, die er mit all ihrer ereignishaftigkeit zu gehoer bringt. das sympathische an stangl ist weiters seine zurueckhaltende virtuosiaet. nie geraet er ins plaudern, stets bleibt er konkret und unmittelbar.


jazzthetik 1999/11:
récital von burkhard stangl sind streng durchgestaltete exerzitien in der gestaltung der via musik wahrgenommenen zeit. er verzichtet darauf, durch eine naheliegende dramatik, die etwa auf zunahme von (rhytmischer, energetischer) dynamik etc. beruht, ablaeufe zu kreieren. seine sparsamen pianoeinwuerfe und sein delikates gitarrenspiel setzen markierungen, legen spuren – und auf eine wohltuend lakonische art verwischt er diese wieder, impliziert einen bruch, insziniert ihn aber nicht. durch die beharrlichkeit dieses minimalismus hebt sich das vordergruendige dieser musik auf. die stuecke entwickeln sich nicht, jedenfalls nicht, wenn man konventionelle parameter anlegt, wirken dabei alles andere als wirkungslos.


wire 9/98: